Herr Oberbürgermeister,
meine Damen und Herren,

Wir bauen nicht ein neues Staatstheater. Oder besser gesagt: wir bauen nicht NUR ein neues Staatstheater.
Wir machen einen gigantischen Sprung in unserer Stadtentwicklung. So lange ich mich erinnern kann, haben wir alle die Kriegsstraße als eine Grenze durch unsere Karlsruher Innenstadt erlebt,
zwischen Nord und Süd. Wir haben viel versucht, um diese Grenze zu entfernen. Aber ohne Erfolg.

Jetzt schaffen wir ein ganz neues offenes Stadtzentrum.

Hermann Levi Platz und Ettlinger Tor bekommen mit diesem Projekt eine ganz neue Bedeutung als offene Begegnungsstelle, als neuer Treffpunkt für uns Karlsruher und für alle unsere Gäste, als Raum für Studierende, für Schulen, für Vereine und für viele zukünftige Bürgeraktivitäten, die wir vielleicht heute überhaupt nicht kennen. Nein, wir bauen nicht nur ein neues Staatstheater. Wir schaffen einen ganz neuen Arbeitsplatz mit ganz neuen positiven Arbeitsbedingungen. Ehrlich gesagt ist es nahezu unglaublich, dass die Mitarbeiter in unserem gegenwärtigen Staatstheater unter oft unmöglichen Arbeitsbedingungen so viele Jahre so fantastische Erlebnisse für uns alle geschaffen haben. Hut ab!

Und wir bauen ganz neue Kunst-Möglichkeiten, einen ganz neuen Rahmen für ganz neue Erlebnisse für uns Besucher.
Ein gigantischer Sprung in die Zukunft. Wir freuen uns schon.

Unser Badisches Theater ist nicht ein normales Stadttheater. Nein, es ist unser Badisches Staatstheater. Eine Anerkennung der Bedeutung Karlsruhes sowohl in unserer Geschichte als Badische Hauptstadt als auch eine Anerkennung der zentralen Rolle Karlsruhes in Baden und in ganz Baden-Württemberg.

Ja, wir bauen viel viel mehr als ein Theater. Es kostet Geld. Ja, es kostet sogar ganz viel Geld.
Es ist vielleicht charmant zu beobachten, wie unsere Grünen-Kollegen sich als besonders eifrige Sparpartei in Szene setzen. Charmant…, aber nicht besonders glaubwürdig. Wenn wir Ausgaben haben, bei denen das Wort „Klima“ oder „Rad“ oder „Ökologie“ benutzt werden kann, dann kennen unsere Grünen-Kollegen keine Geldgrenzen. Ganz anders, wenn es um Kultur und um Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter in unserem Staatstheater geht, dann ist das halbherzige Karlsruher Model mit knausrigen Einsparungen dargestellt.

Diese Haltung ist nicht nur Grün. Unser Staatstheater wurde gebaut lange bevor die Grüne Partei gegründet war, aber die Haltung war die gleiche. Gerade deshalb ist unser Staatstheater so schlecht gebaut ganz von Anfang an. Es ist ein bisschen pathetisch, wenn sich auch unsere CDU-Kollegen als eifrige Sparpartei inszenieren. Wir kennen diese Kritik und diese zögerliche Haltung und diesen Willen, alles zu verschieben. Wir erinnern uns alle deutlich an die gleiche Haltung, wenn wir die Entwicklung des Zoologischen Stadtgartens oder unsere Europahalle diskutiert haben. Verschiebung und halbherzige Unterstützung mit ganz unangenehmen Konsequenzen für beide Projekte.

Aber ja, unsere Stadtentwicklung, unser Staatstheater, bessere Arbeitsplätze für unsere Mitarbeiter, neue Kunstmöglichkeiten kosten Geld. Es ist verständlich, dass die Bevölkerung verwirrt ist, weil man so verschiedene Kosten gehört hat. Ich hoffe, dass wir alle gelernt haben, dass man nicht zufällige, nicht kostenkontrollierte Preise nennen soll. Aber, liebe Kollegen, für uns in diesem Saal ist es unwürdig, überhaupt diese Summen zu nennen. Wir wissen, dass es ehrlicher ist, Birnen mit Äpfeln zu vergleichen, als diese zwei Summen für zwei total unterschiedliche Projekte zu vergleichen. Lassen Sie uns trotzdem über Geld sprechen. Unser Badisches Staatstheater ist genau ein Staatstheater, deshalb bezahlt das Land Baden-Württemberg 50 Prozent der Kosten. Die andere Hälfte sollen wir in Karlsruhe bezahlen. Aber nicht Morgen. Die Bauphase wird lang, sehr lang. Mehr als ein Jahrzehnt leider. In dieser Periode sollen wir von Karlsruhe jährlich 10-12 Millionen Euro bezahlen, von einem Investitionshaushalt von nahezu 200 Millionen. Es wäre würdig von uns allen, falls wir die Proportionen deutlich machen und nicht finanzielle Alpträume in die Welt setzen würden, sodass unsere Bürger denken müssen, dass wir ganz bald pleitegehen.

Selbstverständlich sollen wir jeden Cent vernünftig verwenden. Selbstverständlich ist es notwendig, jede Möglichkeit für konstruktive Sparideen zu prüfen. Aber wir sollen von unseren Vorgängern gelernt haben. Die Vorgänger, die mit gerade so einer halbherzigen Haltung unser jetziges Badisches Staatstheater gebaut haben. Gerade diese Haltung hat sehr negative Konsequenzen für viele Generationen von Mitarbeitern und Besuchern mit sich gebracht. Dieses Stadtentwicklungsprojekt, dieses neue Kulturbegegnungszentrum für viele zukünftige Generationen, diese verbesserten Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter, diesen Teil unserer Karlsruher Identität unterstützen wir gerne und wollen auch in Zukunft mit Stolz „Unser Badisches Staatstheater in Karlsruhe“ sagen.

Tom Hoyem
FDP-Fraktionsvorsitzender